Twitter – Der Spatz im Reich der großen Web 2.0-Tiere

14. Juli 2009, 19:44 Uhr

Die Medien-Hype um Mikro-Blogs wie Twitter und Jaiku findet kein Ende. Die Branche bejubelt den neuen, großen Trend und den »140-Zeichen-Wahn«. Fittkau & Maaß untersuchte im Rahmen der aktuellen W3B-Studien die tatsächliche Verbreitung von Mikro-Blogs – und fand dabei heraus, dass die Branche vorwiegend sich selbst bejubelt.

Denn nach wie vor liegt der Nutzungsgrad von Mikro-Blogs im deutschsprachigen Internet auf einem eher bescheidenen Niveau. Nur 3% der Nutzer lesen oder schreiben mindestens einmal pro Woche Kurznachrichten per Mikro-Blogging. Insgesamt knapp 6% tun dies einmal pro Monat. Zum Vergleich: Zum monatlichen Nutzerkreis von Wikis zählen rund zwei Drittel der Nutzer, über 40% sind mindestens einmal pro Monat in Social Networks wie StudiVZ oder Facebook unterwegs. Foto- und Video-Communities, Weblogs und Frage-Antwort-Portale erreichen allesamt über 20% monatliche Nutzer.

Web 2.0-Anwendungen im VergleichWeb 2.0-Anwendungen im Vergleich


Twitter: Brancheninternes Gezwitscher?

Ein Ergebnis, dass den Fittkau & Maaß-Forschern ins Auge fiel, ist die Branchenzugehörigkeit der Twitter-Nutzer: »Unter den berufstätigen Mikro-Bloggern arbeiten überproportional viele in der Branchen EDV, Medien/Verlagswesen sowie Multimedia/Internet. Jeder dritte Mikro-Blogger ist in einer dieser Branchen berufstätig. In der Gesamtnutzerschaft ist es nicht einmal jeder achte«, so Susanne Fittkau von Fittkau & Maaß. Sie wertet die auffällige Branchenverteilung als Hinweis darauf, dass das Twittern eine ganz bestimmte Zielgruppe anspricht – und zum heutigen Zeitpunkt keinen Kommunikationsweg für die breite Masse der Internet-Nutzer darstellt.

W3B28 Twitter-Nutzung nach Branchen


Die Zielgruppe der Mikro-Blogger: Klein, aber fein

Während Bekanntheits- und Nutzungsgrad bei Twitter eher überschaubar ausfallen (70% Bekanntheit und 16% Nutzung in der Gesamtnutzerschaft), präsentiert sich die Zielgruppe mit einem interessanten Profil:
Die Nutzer von Mikro-Blogs sind im Vergleich zum Internet-Durchschnitt recht jung. Fast zwei Drittel unter ihnen sind unter 40 Jahre alt, in der Gesamtnutzerschaft sind dies weniger als die Hälfte. Sie fallen durch eine ausgesprochen hohe Computer- sowie Web 2.0-Affinität auf: So finden sich unter den Twitterern zum Teil doppelt so viele Nutzer von Weblogs, Networks und Co. als im Internet-Durchschnitt. Ebenfalls typisch für sie ist, dass die meisten Mikro-Blogger wesentlich trendorientierter und kommunikativer sind als der typische Internet-Nutzer. So geben unter den Twitterern rund 40% an, dass sie »Produktneuheiten meist sehr früh« kaufen. In der Gesamtnutzerschaft sind dies nur 20%. Und während 30% der Twitter von sich sagen »Ich stehe gern im Mittelpunkt«, so sind es im Internet-Durchschnitt nur 17%.

W3B28 Nutzung und Bekanntheit von Twitter


Zahlungsbereitschaft für Mikro-Blogging zu vernachlässigen

Die Entwicklung von Mikro-Blogs wie Twitter & Co. wird Fittkau & Maaß weiterhin forscherisch begleiten. Für die finanzielle Zukunft von Mikro-Blogs können sie (noch) kein rosarotes Bild malen: Zum heutigen Zeitpunkt wären lediglich 6% der Twitter-Nutzer bereit, für die Nutzung zu zahlen.

Quelle: Fittkau & Maaß Consulting GmbH

Seite gelesen: 4955 | Heute: 2 | Zuletzt am 21. November 2017

 

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