Blogs spielen fast keine Rolle, Qualitätsjournalismus bei regionalen Printmedien

3. September 2011, 7:56 Uhr

Partizipativer Journalismus im Super-Wahljahr 2011

Der partizipative Journalismus hat sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der MHMK, Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, über die politische Berichterstattung deutscher Zeitungen im Super-Wahljahr 2011. Vor der Landtagswahl am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern belegt eine erste Auswertung von fünf der insgesamt sieben Landtagswahlen des Jahres zudem eine hohe journalistische Qualität der regionalen Printmedien.

Von den 1.679 untersuchten Artikeln in 17 lokalen, regionalen und überregionalen Zeitungen sowie von sechs Blogs zwei Wochen vor und nach den Landtagswahlen von Hamburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bremen weisen fast 94 Prozent keinen Bezug zu Internetangeboten auf. Auch die ausgewertete Berichterstattung der führenden Blogs in den Bundesländern hatte keinen nennenswerten Einfluss auf die Blätter, in einigen Ländern konnten gar keine regional bedeutsamen Social Media-Formate ermittelt werden. „Die landespolitische Landschaft wird im Wesentlichen von den Tageszeitungen und den elektronischen Medien geprägt. Die politische Blogosphäre scheint sich nicht dafür zu interessieren, obwohl es doch Ereignisse im Nahbereich sind“, meint Projektleiter Prof. Dr. Andreas Elter, bundesweiter Studiengangleiter Journalistik an der MHMK.

Die Qualität der politischen Berichterstattung in den untersuchten Tageszeitungen kann dagegen als gut bezeichnet werden. Trotz der aktuellen Ereignisse rund um die Wahlen wie die Reaktorkatastrophe von Fukushima oder die Auseinandersetzung um das Projekt Stuttgart 21, blieb die Berichterstattung überwiegend regional und orientierten sich 49 Prozent der Artikel an direkten Themen zur Landespolitik, 25 Prozent betrafen das zur Wahl stehende politische Personal. Die Berichterstattung beruhte dabei zu mehr als der Hälfte auf eigenen Recherchen der Journalisten, hinzu kamen etwa weitere 30 Prozent selbst geführte Gespräche und Interviews – nur selten waren andere Medien, Agenturberichte oder Internetangebote die Quelle.

Die Verschiebung der politischen Machtverhältnisse in Deutschland ist bei den Anlässen der Berichterstattung spürbar: Wenn Informationen oder Termine der politischen Parteien thematisiert wurden, blieb im Bundesschnitt die CDU mit 28 Prozent vor den Grünen (22 %), die SPD war mit 19 Prozent nur drittstärkste Kraft – alle weiteren Parteien spielten nur eine untergeordnete Rolle. Ein deutliches Ergebnis der Studie betrifft die Quellenangaben der Berichterstattung: Während bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Hamburg in Tageszeitungen mehr als 80 Prozent der Artikel mit Namen der Journalisten und Journalistinnen gekennzeichnet waren, blieben etwa 30 Prozent bei den Boulevardzeitungen ohne jede Quellenangabe.

Die Studie zur politischen Berichterstattung im Super-Wahljahr 2011 ist ein gemeinschaftliches Projekt des Fachbereichs Journalistik an den MHMK-Standorten München, Stuttgart, Köln und Hamburg und wird zu den Landtagswahlen in Mecklenburg und Berlin fortgesetzt. Unter der Leitung von vier Professoren (Prof. Andreas Elter (Köln), Prof. Thomas Horky (Hamburg), Prof. Jürgen von Stenglin (Stuttgart) und Prof. Hektor Haarkötter (München) analysierten Gruppen von Studierenden die Berichterstattung auch hinsichtlich der Wechselwirkungen von klassischen und traditionellen Medien. Es sollte unter anderem geklärt werden, wie groß der Einfluss von partizipativem Journalismus in Form von Blogs ist. Nach den letzten beiden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin soll eine Gesamtauswertung der Analyse publiziert werden. Vorabergebnisse aus fünf Bundesländern liegen bereits vor.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Andreas Elter
a.elter@macromedia.de

Quelle: MHMK Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation

Seite gelesen: 4301 | Heute: 2 | Zuletzt am 16. Dezember 2017

 

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