Onlinehandel: Kernbereich wächst weiter und erwartet über 55 Milliarden Euro Umsatz in 2017

13. Januar 2017, 10:59 Uhr

Der Onlinehandel boomt weiter. Das stellen eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und Arthur D. Little in ihrer gemeinsamen aktuellen Studie zur deutschen Internetwirtschaft fest. Vor allem der Handel zwischen Unternehmen (B2B) weist mit 15 Prozent ein hohes durchschnittliches jährliches Wachstum bis 2019 auf.  Auch der Handel mit Konsumenten (B2C) kann den Umsatz kräftig steigern – im Durchschnitt um 12 Prozent pro Jahr.

Sowohl die Unternehmen als auch die Verbraucher in Deutschland wickeln ihre Ein- und Verkäufe verstärkt über das Internet ab. Das beschert dem Kernbereich des Onlinehandels traumhafte Wachstumsraten von durchschnittlich 13 Prozent pro Jahr bis 2019. Dann wird dieser Wirtschaftszweig im Kern einen Umsatz von mehr als 70 Milliarden Euro aufweisen, so eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und Arthur D. Little in ihrer gemeinsamen aktuellen Studie „Die deutsche Internetwirtschaft 2015 – 2019“.

Internet ist für den Handel zu zentraler Bedeutung gelangt

Das Internet, und die damit verbundenen Geschäftsmodelle und Technologien haben sich laut eco für den deutschen Handel zu einem Faktor von zentraler Bedeutung entwickelt. Unter „Onlinehandel“ ist dabei nicht nur der Handel ohne stationäres Geschäft, also „nur im Internet“ zu verstehen, sondern auch alle damit verbundenen ökonomisch relevanten und juristisch verbindlichen Prozesse im Umfeld des Handels, auch Angebotsabgaben und verbindliche Preisauskünfte. Der Anteil des Handels mit einem solchen Internet-Bezug am gesamten Handel steigt seit Jahren.

E-Commerce B2B: Umsatzstark mit rasantem Wachstum

E-Commerce B2B ist eines der größten Segmente der deutschen Internetwirtschaft. Im Jahr 2015 lag der Umsatz noch bei knapp 27 Milliarden Euro, 2017 werden es bereits 35 Milliarden Euro sein und 2019 sogar mehr als 46 Milliarden Euro. Arthur D. Little sieht für dieses Segment voraussichtlich eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 15 Prozent in den nächsten Jahren.

Dieses rasante Wachstum basiert zum einen darauf, dass auch traditionelle Unternehmen verstärkt den B2B-Direktvertrieb via Internet nutzen, und zum anderen auf dem allgemein wachsenden Trend zum E-Procurement und zum Internet-basierten Absatz. Schon heute betreibt rund 75 Prozent der deutschen Unternehmen Procurement und Absatz im Wesentlichen über Internet-basierte Prozesse und E-Commerce. „Der Digitale Wandel der deutschen Wirtschaft und ein hoher Automatisierungsgrad machen E-Commerce im B2B-Segment sehr attraktiv“, erklärt Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann, Leiter der eco Kompetenzgruppe E-Commerce. „In der deutschen Wirtschaft sehen wir eine mittlerweile fast flächendeckende Dominanz der semi-automatisierten Bestellungen und Beschaffungen per Internet.“

Rund 100.000 Beschäftigte sind im Segment E-Commerce B2B involviert, das ist rund ein Drittel der Beschäftigten der deutschen Internetwirtschaft. Die Nachfrage im B2B E-Commerce in Deutschland decken vor allem deutsche Unternehmen ab. Ausländische Plattformen haben nur einen geringen Marktanteil. Deutsche B2B-Online-Shops sind auch international aktiv und erfolgreich, insbesondere innerhalb der EU.

E-Commerce B2C: Deutsche kaufen immer lieber online ein

Der Kernbereich des Segments E-Commerce mit Privatkunden und Konsumenten (B2C) ist weiter auf dem Vormarsch. Bis 2019 erwartet Arthur D. Little ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 12 Prozent. Getrieben ist dieses Wachstum von der zunehmenden Online-Affinität der Verbraucher – mehr als die Hälfte der Deutschen kauft bereits regelmäßig bei Online-Händlern ein. „Trends wie Personalisierung der Shops, etwas bei Kauf-Empfehlungen, und die voranschreitende Nutzung von künstlicher Intelligenz werden das Online-Shopping-Erlebnis weiter erleichtern“, so Lars Riegel, Principal bei Arthur D. Little. Schon heute ist Deutschland gemessen am absoluten Online-Umsatz die „Nummer 1“ in Europa. Im Jahr 2014 wurden bereits 15 Prozent des Handelsumsatzes im E-Commerce erwirtschaftet. Dieser Anteil wird in den kommenden Jahren steigen.

40 Prozent der deutschen B2C-Nachfrage wird durch Global Scale Player wie Amazon, eBay und Expedia abgedeckt. Darüber hinaus gibt es deutsche Unternehmen – angeführt von Otto Group, Zalando oder Unister –, welche nicht nur die deutsche Nachfrage abdecken, sondern auch exportorientiert sind. Aufgrund des erleichterten Marktzugangs wird der Wettbewerb weiter zunehmen.

Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann weist darauf hin, dass nicht nur den Kernbereich der „echten“ Onlinehändler zu betrachten ist, der gesamte B2C ist mehrdimensional: „Einige Online-Marktsegmente erscheinen fast schon gesättigt – ein neuer ‚Hybrider Handel‘ wird in den nächsten Jahren entstehen. Auch der stationäre Handel wird immer mehr B2C werden und kann künftig beim Kunden mit neuen digitalen Services für Beratung, Kauf und Lieferung punkten. Der aufgeklärte Verbraucher wird sich vor dem Kauf beratungsintensiver Produkte fast immer online informieren. Die Eigenschaften mehrere Angebote werden verglichen. Der in den nächsten Jahren erfolgreiche stationäre – dann „hybride“ – Handel wird das Internet nicht als Gegner betrachten, sondern als große Chance.“

Portale und Marketplaces: Mehrwert für Verbraucher durch größere Markttransparenz

Während beitragspflichtige reine Kontaktportale (zum Beispiel Online-Dating-Börsen und Business Networks) mit 5 Prozent jährlich ein eher moderates Wachstum aufweisen, können Verkaufs- und Handels-orientierte Marketplaces wie etwa Immobilien- und Automobil-Plattformen gute 9 Prozent Umsatzwachstum jährlich verbuchen. Zusammengenommen wird dieses Segment laut eco und Arthur D- Little bis 2019 um 8 Prozent jährlich wachsen.

Im Segment Portals und Classified Marketplaces gewinnen erfolgsabhängige Zahlungsmodelle an Bedeutung. Das Segment kann mit einer hervorragenden Profitabilität aufwarten, wobei die genaue EBITDA-Marge sehr stark vom Geschäftsmodell der Nischenmärkte abhängt. „Während zum Beispiel Dating- und Job-Plattformen eine eher geringe EBITDA-Marge aufweisen (15 bis 20 Prozent), haben Business Networks und etablierte Auto- und Immobilienmarktplätze eine weitaus höhere Profitabilität (25 bis 45 Prozent)“ bei steigender Tendenz, erläutert Lars Riegel.

Die gesamte Studie „Die deutsche Internetwirtschaft 2015 – 2019“ können Sie kostenfrei hier abrufen.

Quelle: eco — Verband der Internetwirtschaft e.V.

Seite gelesen: 6411 | Heute: 8 | Zuletzt am 23. August 2017

 

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